Wallfahrt nach Kevelaer

Liebe Freunde, glaubt mir, ehrlich,

Hausfrau sein, das ist beschwerlich.

Mann und Haus und vier Stück Blagen,

das bringt Sorgen, das bringt Plagen.

Waschen, bügeln, nicht vergessen,

jeder will auch zeitig essen.

Und dabei und nebenher,

kommt da noch so manch Malheur.

Und von soviel Komplikationen,

kriegte ich bald Depressionen.

Und in allen diesen Nöten, sagt ich,

da hilft nur noch Beten.

Das ist sicher, das ist wahr,

ich fahre mal nach Kevelaer.

 

Morgens kam ich an den Zug,

standen da schon Leut' genug.

Waren fast alle jüngere Semester,

hatten sogar ein kleines Orchester.

Einige hatten 'nen Strohhut auf,

das lockerte wohl die Wallfahrt auf.

Ich kriegte noch 'nen Fensterplatz,

bei 'nem dicken Mann mit Glatz' .

Saß da still bei diesem Ollen,

verzehrte meine Butterstollen,

und freute mich schon unterdessen,

in Kevelaer gehste lecker essen.

Am besten schmeckt, das wissen nur wenige,

de rote Kappes, bei de "Dreikönige" .

 

Nun griff der Glatzkopf in seine Tasche,

und holte raus 'ne platte Flasche,

tat mich damit freundlich winken:

"Fräulein, woll'n se auch mal trinken?".

Ich ließ mich gar nicht lange bitten,

denk' , das sind die neuen Sitten.

Es waren wirklich fromme Leute,

sangen: "So ein Tag, so schön wie heute" .

 

Vor vielen, vielen Jahren,

bin ich schon mal nach Kevelaer gefahren.

Doch da sangen wir eine Litanei,

auch der Pastor, der war dabei.

Das hat sich geändert, ganz enorm,

das nennt man wohl "Liturgiereform" .

Und deshalb fügte ich mich fein,

in diese neue Ordnung ein.

 

Die anderen Wallfahrer hatten alles da,

sogar ein Faß  "Rhenania" .

Ich hatt' mich noch nicht ausgewundert,

da waren alle schon auf Hundert,

taten das Abteil verdunkeln,

und fingen feste an zu schunkeln.

Das war früher nicht modern,

doch ich hat' et richtig gern.

Dann kam jedoch der Clou vom Ganzen,

bei der Wallfahrt tat man Tanzen.

Erst fing es ganz langsam an,

mit "Kreuzberger Nächte, die sind lang".

Doch dann aber, oh Schreck, oh Graus,

da flippten die so richtig aus.

Ich hatte nur noch eins im Sinn:

"Oh Maria, Helferin" .

 

Darauf ging es bei mir ganz schnell,

ich machte das Abteil mal hell.

Ich sah nach draußen und wurd' blaß,

rundherum war alles naß.

Kinder, rief ich, ohne Hemmung,

wir haben ja 'ne Überschwemmung.

Jetzt wird es aber Zeit zum Beten,

die Niers ist über die Ufer getreten.

Dann sah ich es, mein Gott, mein Vater,

Die Gnadenkapell steht under Water.

Doch dann kam ich schnell dahinter,

soeben las ich nämlich Königswinter.

Es ging mir dann auch langsam ein,

das große Wasser war der Rhein.

Das konnte wohl nur daran liegen,

ich war in den falschen Zug gestiegen.

Es konnte gar nicht anders sein,

ich stieg in den "Klingenden Rheinländer" ein.

 

Jetzt dacht ich, ganz egal, lass sausen,

wir waren schon in Assmannshausen.

Es machte mir schon langsam Spass,

ich zog mit allen durch die Drosselgass' .

Die Stimmung wurde immer toller,

und viele Leute immer voller.

Doch schließlich, es war unser Glück,

um 8 Uhr fuhr der Zug zurück.

Vom Gröhlen dröhnten mir die Ohren,

was hatte ich hier bloß verloren.

Wir fuhr'n nach Haus, ich war betroffen,

der ganze Zug, der war besoffen.

Mein Kopf der brummte immer schlimmer,

mein Magen rebelliert noch immer.

Geblieben ist, ich dumme Put' ,

ich steig nie mehr in einen Zug.

Und doch muß ich sagen, die Sach' tat sich lohnen,

ich weiß nichts mehr von meinen Depressionen.

 

Auch wenn jetzt manche Leute lachen,

ich muß wohl öfter mal 'ne Wallfahrt machen.

 

 

 

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